Bundestagswahl 2017 in Wetter (Ruhr)

Bundestagswahl 2017 in Wetter (Ruhr)

Die Bundestagswahl 2017 eignet sich besonders für eine ausgiebige Wahlanalyse. Der Einzug der AfD in den Bundestag und das historisch schlechte Abschneiden der beiden Volksparteien und ehemaligen Koalitionspartner CDU und SPD zeigen, dass die Bürger viele Entscheidungen der Politik nicht mehr einfach nachvollzogen werden können. Warum entfremden sich die Deutschen und ihre Politiker immer mehr? Wir gehen im Wahlbezirk 139, Wetter (Ruhr) auf spurensuche: Durch ausführliche Datenanalyse versuchen wir Trends aufzudecken. Unsere Ergebnisse werden anschließend sozialwissenschaftlich analysiert, um Antworten und Handlungsempfehlungen für die auftraggebende Partei auszusprechen.

Wahlberechtigte
21173
Wähler
16326
Anteil
77,11

BS-Matrix FDP

BS-Matrix am Beispiel der FPD Wetter

Die Matrix stellt die Performance einer Partei über die Wahlbezirke einer Gebietskörperschaft auf einen Blick grafisch dar. Aufgetragen wird das aktuelle Wahlergebnis auf der horizontalen Achse, auf der vertikalen Achse wird die Veränderung des Ergebnisses gegenüber einem gewählten Referenzzeitpunkt (z. B. vorherige Wahl) korrigiert um den durchschnittlichen Trend über alle Wahlbezirke aufgetragen. Die Größe der Symbole veranschaulicht die Wahlbeteiligung im jeweiligen Wahlbezirk. Der Schnittpunkt beider Achsen repräsentiert das mittlere Ergebnis der Partei.
Befindet sich ein Wahlkreis somit im rechten oberen Quadranten, so erzielt die Partei hier ein starkes Ergebnis (besser als der Durchschnitt) und konnte dieses im Vergleich zum Referenzzeitpunkt noch verbessern. Im Gegensatz hat ein Wahlkreis im linken unteren Quadranten ein schwaches Stimmergebnis und ist sogar noch zurückgefallen.
Faustregel: je mehr Wahlbezirke im rechten oberen Quadranten, desto besser für die Partei.

Analysen

Wahlergebnis auf einem Blick

Diachroner Vergleich

Diatopischer Vergleich

Zweitstimmenvergleich zum Bundesergebnis

Nichtwähler-Gewichtung

Ausblick in den Wahlkreisen

Bewertung / Handlungsempfehlungen

Das Bundestagswahlergebnis im zeitlichen Vergleich:

Auch in Wetter brachte die Bundestagswahl 2017 für die SPD ein historisch schlechtes Ergebnis. Noch nie haben so wenige Menschen die SPD in Wetter bei einer Bundestagswahl gewählt. Im Vergleich zur Bundesebene fallen die prozentualen Verluste noch drastischer aus, da in Wetter durch die klassischer Weise guten SPD-Ergebnisse eine größere Fallhöhe besteht. Die CDU muss zwar auch in Wetter Verluste hinnehmen, diese sind aber deutlich geringer als die der SPD und auch der Bundes-CDU. Klarer Sieger der Bundestagswahl in Wetter ist die FDP, die ihr historisch bestes Ergebnis einfährt.

Das Bundestagswahlergebnis im räumlichen Vergleich:

Wetter zeigt insgesamt ein homogenes Bild, was die (üblicher Weise sozio-ökonomisch motivierten) Parteipräferenzen in den einzelnen Stimmbezirken angeht. Unter Berücksichtigung der statistisch zu erwartenden Zufallsfluktuationen sind einige eher SPD-lastige (200, 400, 1100, 1500, 1600) sowie einige eher CDU-lastige (800, 1000, 1300) Stimmbezirke auszumachen (1σ Konfidenzniveau). Klar heraus sticht jedoch der Wahlkreis 300, wo die AfD als einziges ein stark überdurchschnittliches Ergebnis erzielen konnte. Zusammen mit der niedrigen Wahlbeteiligung und dem sehr schlechten Abschneiden von CDU und FDP ist dies eindeutig ein Bezirk mit einer sozial schwachen Klientel, die zur Protestwahl neigt.

Das Bundestagswahlergebnis im gesamten Wahlkreis 139:

Grund zu besonderer Besorgnis gibt das Abschneiden der SPD im ganzen Wahlkreis 139. Hier sind insb. die für das Erringen des Direktmandates wichtigen Erststimmen kontinuierlich abgesunken, der Vorsprung vor der CDU beträgt nur noch 5.000 Erststimmen. Dieser Vorsprung speist sich ausschließlich aus den Städten Wetter und Witten, in Herdecke und Hattingen liegen SPD und CDU bei den Erststimmen praktisch gleichauf, in Sprockhövel liegt die CDU deutlich vorn. Vom Wahlkreis 139 kann somit nicht mehr als “rotem” Wahlkreis gesprochen werden. Hätte nicht auch die CDU bedingt durch den vorher unabsehbar negativen Bundestrend Erststimmen verloren, so wäre das Direktmandat an die CDU gefallen.